Er oben, sie unten – Sexistisch?
Ein Film begeistert Millionen Zuseher – doch in den Schlagzeilen geht es vor allem um eines: Ist das Plakat sexistisch?
Emerald Fennells „Wuthering Heights“ ist vieles: ein opulent fotografiertes Melodram, eine bewusst überhitzte Neuinterpretation eines Literaturklassikers – und vor allem ein verlässlicher Kassenschlager. Die Geschichte um Catherine und Heathcliff, zwei Liebende, die sich mehr zerstören als erlösen, wurde von Fennell als düster-erotisches Beziehungsexperiment inszeniert: viel Begehren, viel Abhängigkeit, wenig Gleichgewicht.
Eine der erfolgreichsten Produktionen des Jahres
Das Publikum hat’s jedenfalls nicht abgeschreckt. Im Gegenteil: Weltweit hat der Film bislang rund 236 Millionen Dollar eingespielt und gehört damit zu den erfolgreichsten Produktionen des Jahres.
Schon am Startwochenende dominierte er das Valentinstagsgeschäft – ein Hinweis darauf, dass toxische Romantik offenbar immer noch ein solides Geschäftsmodell ist. Und doch entzündet sich die Debatte hierzulande – natürlich – am Filmplakat.
Sexistisches Filmplakat?
Dort liegt Margot Robbie in suggestiver Schräglage, während Jacob Elordi über ihr thront. Für manche ist das bereits der Beweis: ein Rückfall in patriarchale Bildtraditionen, eine visuelle Hierarchie, ein Fall für den kulturkritischen Notruf.
Die Presse schreibt dazu: “Oben der stattliche Lover, unten die schmachtende Frau: Wenn es im weitesten Sinn um Romantik geht, ist dies in Kunst, Werbung und Popkultur nach wie vor eines der bekanntesten Bildmotive. Einerseits erntet seine Verwendung regelmäßig feministische Kritik, andererseits gilt es als bedenkliche Abwertung weiblichen Begehrens, es pauschal zu verurteilen: Schließlich dürfen romantische Fantasien alles sein, auch „rückschrittlich“.”
Man kann das so sehen. Man kann aber auch kurz innehalten und sich fragen, ob hier nicht mit erstaunlicher Verlässlichkeit ein immer gleiches Deutungsmuster aktiviert wird: Mann oben = Problem. Denn was zeigt das Plakat eigentlich? Zwei Figuren aus einer Geschichte, die gerade nicht von Gleichgewicht erzählt, sondern von Obsession, Abhängigkeit und emotionaler Schieflage. Dass diese Dynamik auch visuell überspitzt wird, wirkt weniger wie ein heimtückischer Rückfall ins Jahr 1939 – sondern eher wie eine ziemlich naheliegende Übersetzung des Stoffes in ein Bild.
Oder anders gesagt: Vielleicht ist nicht jedes ungleich hohe Liebespaar gleich ein gesellschaftspolitischer Skandal. Manchmal ist es auch einfach nur… ein Filmplakat.
Kommentare