Seit dem 1. April 2024 ist der Besitz kleiner Mengen Cannabis für Erwachsene in Deutschland erlaubt. Konkret dürfen bis zu 25 Gramm unterwegs mitgeführt werden und 50 Gramm zu Hause im Besitz sein. Darüber hinaus ist der Anbau von bis zu drei Hanfpflanzen zulässig. Die Maßnahme sollte vor allem den Schwarzmarkt zurückdrängen und den Konsum in kontrollierte Bahnen lenken.

Konsumverhalten bleibt weitgehend unverändert

Die nun vorliegende zweite Zwischenbilanz zeigt jedoch: Beim Konsum hat sich wenig verschoben. Schätzungen von Forschern der Kriminologie an der Universität Tübingen zufolge konsumieren in Deutschland rund fünf Millionen Menschen zumindest gelegentlich Cannabis. Dieser Wert entspricht im Wesentlichen dem Stand der vergangenen Jahre.

Wissenschaftliche Analysen verweisen jedoch auf eine Besonderheit: Während der Konsum unter Jugendlichen seit etwa 2019 tendenziell rückläufig ist, steigt die Zahl der erwachsenen Konsumenten leicht an.

Schwarzmarkt verliert an Bedeutung – aber nicht überall

Ein zentrales Ziel der Reform war die Schwächung illegaler Strukturen. Laut Einschätzungen von Forschern ist tatsächlich ein Rückgang des Schwarzmarktes zu beobachten. Ein Grund dafür liegt auch in der wachsenden Nutzung von medizinischem Cannabis, das über Privatrezepte erhältlich ist.

Doch genau hier entsteht ein neues Problem: Immer mehr Konsumenten greifen über Online-Apotheken auf Cannabis zu – auch ohne klassische medizinische Indikation. Diese Entwicklung war ursprünglich nicht vorgesehen.

Regierung will gegen Online-Rezepte vorgehen

Die Politik hat auf diese Entwicklung bereits reagiert. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte an: „Wir werden Online-Rezepte ohne vorherige persönliche ärztliche Beratung stoppen.“ Damit soll verhindert werden, dass medizinisches Cannabis faktisch zum leicht zugänglichen Freizeitprodukt wird.

Rekordwerte bei beschlagnahmtem Cannabis

Ein weiterer Aspekt sorgt für Diskussionen: Im Jahr 2025 stellten Sicherheitsbehörden in Deutschland eine Rekordmenge an Cannabis sicher. Auf den ersten Blick scheint das im Widerspruch zu der Annahme zu stehen, dass der Schwarzmarkt zurückgeht.

Die Studienautoren verweisen jedoch auf internationale Entwicklungen. Auch in anderen europäischen Ländern wurden zuletzt deutlich größere Mengen beschlagnahmt. Ein möglicher Grund: Nach der Liberalisierung in Regionen wie Nordamerika und Thailand versuchen kriminelle Netzwerke, überschüssige Produktion verstärkt in Europa abzusetzen.