Seit der Einführung eines vereinfachten Verfahrens boomt die Änderung von Geschlechtseinträgen in der Schweiz. Die neuesten Zahlen zeigen: Tausende Menschen haben diesen Schritt bereits genutzt – besonders viele davon sind jung.

Rasanter Anstieg seit Gesetzesänderung

Wie das Bundesamt für Statistik (BFS) laut Keystone-SDA mitteilt, haben seit 2022 rund 3000 Personen ihren Geschlechtseintrag im Personenstandsregister geändert. Allein im vergangenen Jahr waren es 574 Fälle. Damit hat sich die Zahl nach einem starken Start auf einem konstanten Niveau von rund 600 Änderungen pro Jahr eingependelt. Zum Vergleich: Im ersten Jahr nach Einführung der neuen Regelung wurden 1117 Änderungen registriert, im Jahr darauf 713.

Auffällig ist die Altersverteilung: Laut BFS stammen 56 Prozent der Anträge von Personen unter 25 Jahren. Ab dem 16. Lebensjahr kann eine Änderung ohne Zustimmung der Eltern beim Zivilstandsamt beantragt werden, jüngere benötigen eine Einwilligung ihrer gesetzlichen Vertreter.

Mehr Wechsel von „Mann“ zu „Frau“

Im vergangenen Jahr wurden 312 Einträge von „Mann“ zu „Frau“ geändert, während 262 Personen den umgekehrten Weg wählten. Regional liegt der Kanton Zürich mit 120 Fällen klar vorne, während es in Appenzell Innerrhoden keinen einzigen Fall gab.

Der entscheidende Unterschied zu früher: Seit 2022 reicht eine einfache Erklärung beim Zivilstandsamt aus. Davor war ein oft langwieriges Gerichtsverfahren notwendig. Die damalige Justizministerin Karin Keller-Sutter sprach von einem „wichtigen letzten Schritt“ in einem langen Prozess. Das Schweizer Personenregister kennt weiterhin nur die Kategorien „männlich“ und „weiblich“. Einen dritten Geschlechtseintrag oder den Verzicht darauf lehnte der Bund bewusst ab.

Wie viele trans Menschen tatsächlich in der Schweiz leben, ist nicht genau bekannt. Schätzungen variieren stark. Klar ist jedoch: Die erleichterte Änderung des Geschlechtseintrags hat die Praxis grundlegend verändert – und sorgt weiterhin für gesellschaftliche Diskussionen.