Anfang Juli 2025 setzte die Bundesregierung den Familiennachzug per Verordnung aus. Die Begründung: Österreich solle vor Überlastung geschützt werden – vor allem in den Schulen, bei Wohnen und Integration.

Ganz beendet wurde der Nachzug aber nicht, wie sich nun herausstellt. Anträge konnten weiter gestellt werden, sie sind nur bis Anfang Juli 2026 gehemmt. Dann droht die Nachzugs-Welle.

Anfragebeantwortung bringt brisante Zahlen ans Licht

Die Zahlen stammen aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung des Innenministeriums. Anlass war eine Anfrage der grünen Abgeordneten Agnes-Sirkka Prammer und weiterer Mandatare an Innenminister Gerhard Karner (ÖVP).

Die Antwort macht deutlich: Der politisch kommunizierte „Stopp“ war in der Praxis deutlich durchlässiger.

Trotz Aussetzung: Hunderte neue Anträge

2025 wurden insgesamt 1.996 Einreiseanträge gestellt. Besonders brisant ist der Zeitraum nach dem Stopp: Von Juli bis Dezember 2025 kamen noch 963 neue Anträge dazu. Von einem echten Stopp kann also keine Rede sein.

1.758 offene Anträge – der eigentliche Sprengstoff

Mit Stand 31. Dezember 2025 waren 1.758 Einreiseanträge anhängig. Die meisten davon betrafen Syrer (806), gefolgt von Afghanen (432) und Somaliern (310). Genau diese Zahl zeigt, wie groß der Rückstau schon Ende 2025 war. Genau daraus ergibt sich die Sorge, dass nach dem Ende der Hemmung eine neue Welle losrollen könnte.

Trotz Stopp gab es weiter positive Entscheidungen

Auch nach Inkrafttreten der Aussetzung wurden die Verfahren weiterbearbeitet. Das Innenministerium nennt für 2025 insgesamt 1.132 positive Erstentscheidungen. Im zweiten Halbjahr kamen außerdem 349 bewilligte Einreisen dazu.

Mit anderen Worten: Der Familiennachzug wurde nicht eingefroren. Das System arbeitete weiter – und es gab auch weiterhin grünes Licht für einzelne Fälle.

Der Nachzug lief auch real weiter

Noch deutlicher wird es bei den tatsächlichen Einreisen. Laut Innenministerium wurden 2025 in Österreich 1.056 Asylanträge infolge einer Einreisegestattung nach § 35 AsylG gestellt.

Dabei handelt es sich um Familiennachzug: Angehörige von bereits in Österreich anerkannten Asylberechtigten oder subsidiär Schutzberechtigten stellen zunächst im Ausland einen Antrag auf Einreise. Wird dieser bewilligt, dürfen sie nach Österreich einreisen – und stellen hier erst den formalen Asylantrag.

Die Zahl ist deshalb brisant, weil sie zeigt: Der Familiennachzug lief 2025 nicht nur in den Akten weiter, sondern führte auch tatsächlich zu Einreisen. Trotz politisch verkündetem Stopp kamen weiterhin Menschen über diesen Weg nach Österreich.

Der Rückstau dürfte weiter wachsen

An der heikelsten Stelle bleibt das Ministerium allerdings vage. Offen ist nämlich, wie viele der 349 bewilligten Einreisen aus dem zweiten Halbjahr bis Jahresende tatsächlich schon erfolgt waren – und wie viele noch ausständig sind.

Es wird sich zeigen, wie groß der tatsächliche Nachholeffekt wirklich ist. Die 1.758 offenen Anträge zeigen nur den Stand Ende 2025. Weil auch während der Aussetzung weiter neue Anträge gestellt werden konnten, liegt der Verdacht nahe, dass der Rückstau bis zum Ende der Hemmung im Juli 2026 noch deutlich weiter wachsen wird.

Die Welle kommt nicht auf einen Schlag

Laut BMI dauert es im Schnitt 12 bis 15 Monate, bis aus einem Antrag tatsächlich eine Einreise wird. Das heißt: Wenn die Hemmung fällt, kommt die Wirkung nicht an einem einzigen Tag. Wahrscheinlicher ist eine verzögerte Welle, die sich Monat für Monat weiter aufbaut.

Die Anfragebeantwortung zeigt auf jeden Fall eines: Der Familiennachzug wurde 2025 nicht gestoppt, sondern primär aufgeschoben. Neue Anträge liefen weiter ein. Positive Entscheidungen wurden weiter getroffen. Einreisen fanden weiter statt. Gleichzeitig wuchs ein Rückstau von 1.758 offenen Anträgen.