Der Auftritt von Francesca Albanese im Berliner Kino Babylon ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Vor Publikum erklärte die UN-Sonderberichterstatterin, palästinensische Männer seien mit Hunden vergewaltigt worden – und setzte noch einen drauf: Es gebe Europäer, die Hunde gezielt für solche Taten abrichten und nach Israel verschicken.

Eine derart drastische Behauptung, vorgetragen mit dem Gewicht einer UN-Funktion, sorgt für Entsetzen. Selbst Albaneses aktueller Bericht an den UN-Menschenrechtsrat enthält zwar scharf zugespitzte Vorwürfe gegen Israel. Doch die konkrete These, dass Hunde in Europa gezielt „zum Vergewaltigen“ trainiert und exportiert würden, findet sich selbst dort so nicht.

Aus einem ohnehin extrem formulierten Bericht wurde so auf der Bühne eine zusätzliche Horror-Erzählung – ohne Belege.

Geschichte verdreht, Terror relativiert

Doch es blieb nicht bei dieser Entgleisung. Laut einem Bericht der Jüdischen Allgemeinen über den Abend zeichnete Albanese das Bild eines angeblich friedlichen „Palästina“ vor der Gründung Israels, in dem alle Religionen harmonisch zusammengelebt hätten. Das ist historisch falsch. Schon lange vor 1948 kam es zu massiver Gewalt gegen Juden – etwa beim Massaker von Hebron 1929, bei dem 67 Juden ermordet wurden.

Eines der Opfer des Massakers in Hebron 1929Wiki Commons/Archivbild

Auch eine weitere Aussage sorgt für Kritik: „Terrorist“ sei keine rechtliche Kategorie. Das ist irreführend. Zwar ist Terrorismus im Internationalen Strafgerichtshof kein eigener Haupttatbestand – im internationalen Recht existieren jedoch zahlreiche Instrumente gegen terroristische Gewalt.

Aggressive Stimmung im Saal

Begleitet wurde der Auftritt von einer aufgeheizten Atmosphäre. Laut Erlebnisbericht wurden Kritiker im Publikum mit „Nazi“- und „Rassisten“-Rufen attackiert.

Von offener Debatte keine Spur: Der Abend wirkte wie eine geschlossene Echokammer, in der Widerspruch nicht geduldet wurde.

Auch ihr jüngster UN-Bericht liest sich wie eine Anklageschrift

Albaneses jüngster UN-Bericht hatte schon zuvor für massive Kritik gesorgt. Darin weitet sie den Begriff der Folter massiv aus: Plötzlich ist von einem „folterähnlichen Umfeld“ und sogar von „kollektiver Folter“ über ganze Gebiete hinweg die Rede – ein klarer Bruch mit den üblichen juristischen Definitionen. Gleichzeitig erhebt sie erneut den Vorwurf des „Genozids“, ohne dafür neue Belege zu liefern, und blendet die dokumentierte Misshandlung israelischer Geiseln durch die Hamas weitgehend aus.

Mehr Aktivistin als Juristin? Albanese (r.) demonstriert mit Greta Thunberg (M.) und Griechenlands Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis (l.).GETTYIMAGES/Emanuela Zampa

Besonders brisant: Albanese arbeitet laut Kritikern mit verkürzten und verzerrten Zitaten. Albanese greift in ihrem Bericht eine Aussage von Israels Präsident Isaac Herzog auf und zitiert ihn mit dem Satz, „das ganze Volk dort trage Verantwortung“. Dieser Satz fiel in einem Interview unmittelbar nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober. Entscheidend ist aber: Herzog stellte kurz darauf selbst klar, dass er damit nicht sagen wollte, alle Zivilisten seien legitime Ziele. Wörtlich sagte er: „Nein, das habe ich nicht gesagt, das habe ich nicht gesagt, ich möchte das klarstellen.“

Albanese übernimmt die zugespitzte Passage, lässt die Klarstellung weg – und nutzt das verkürzt dargestellte Zitat anschließend als Beleg für eine angebliche israelische Vernichtungsabsicht.

Internationale Kritik: Rücktrittsforderungen und Sanktionen

Der Berliner Eklat ist kein Ausrutscher. Albanese steht international seit Monaten massiv unter Beschuss.

So forderten sowohl Deutschland als auch Frankreich bereits ihren Rücktritt. In den USA wurde sie sanktioniert – unter anderem wegen ihrer Rolle bei Versuchen, internationale Verfahren gegen US-amerikanische und israelische Akteure anzustoßen.

Auch ihre offizielle, propagandistisch aufgeladene Sprache in UN-Dokumenten löste schon in der Vergangenheit wiederholt Empörung aus: So bezeichnete etwa das israelische Gefängnissystem als „Laboratorium kalkulierter Grausamkeit“.

Immer neue Grenzüberschreitungen

Die Vorwürfe gegen Albanese sind kein vager Streit – sie lassen sich an konkreten Aussagen festmachen.

So teilte Albanese etwa einen Beitrag, in dem Israel als „Viertes Reich“ bezeichnet wird und ein antisemitischer Angriff auf einen jüdischen Vater und seinen sechsjährigen Sohn relativiert wird. Die Täter hätten demnach nicht Juden angegriffen, sondern „Zionisten“ – ein klassisches Umdeuten antisemitischer Gewalt.

Auch den 7. Oktober relativierte Albanese mehrfach. In Interviews erklärte sie, es gebe „keine Beweise für Vergewaltigungen“ durch die Hamas und es sei „so falsch“, den Angriff als antisemitisch motiviert zu sehen.

In einem Interview erklärte sie: Die Täter hätten nicht aus Judenhass gehandelt, sondern gegen „Besatzer“ – selbst Zivilisten in Kibbutzim, darunter Friedensaktivisten, stellte sie als Bewohner „gestohlenen Landes“ dar.

Besonders brisant: Vor dem UN-Menschenrechtsrat verglich sie Investitionen in Israel mit wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit Nazi-Deutschland. Unternehmen, die mit Israel arbeiten, stellte sie in eine Linie mit Firmen, die einst das NS-Regime unterstützten.

Auch Holocaust-Vergleiche gehören zu ihrem Repertoire. In sozialen Medien warnte sie, der Westen verhindere nicht „einen weiteren Holocaust“ – und zog Parallelen zwischen Gaza und NS-Propaganda.

Hinzu kommen gezielte persönliche Angriffe: In einem inzwischen gelöschten Tweet bezeichnete sie Israels Premier als „Benjamin (Mileikowsky) Netanyahu“ – eine Anspielung auf seinen polnischen Familiennamen.

Anspielung auf Netanyahus polnischen FamiliennamenX/Screenshot

Und selbst einzelne Personen geraten ins Visier: Den jüdischen Dirigenten Daniel Oren diffamierte Albanese öffentlich als „pro-genocide“, obwohl dafür schlicht keine Grundlage bekannt ist.

Finanz-Skandal: Reisen von pro-Hamas-Gruppen bezahlt

Noch brisanter: Ein aktueller Report von UN-Watch wirft Albanese auch massive Verstöße gegen UN-Regeln vor.

Demnach wurden Teile ihrer Auslandsreisen nicht von den Vereinten Nationen finanziert, sondern von externen Lobbygruppen – darunter Organisationen, die offen Hamas-nahen Positionen vertreten. Eine dieser Gruppen gab selbst an, ihren Auftritt „gesponsert“ zu haben.

Das Problem: Laut UN-Verhaltenskodex dürfen Sonderberichterstatter keinerlei Geld oder Vorteile von solchen Akteuren annehmen.

Explosiv ist auch: Albanese hatte diese Finanzierung zunächst bestritten. Erst ein internes UN-Gremium räumte später zumindest teilweise „externe Finanzierung“ ein. Kritiker sprechen von einer gezielten Vertuschung.

Hinzu kommt ein weiterer Vorwurf: Albanese soll für Auftritte indirekt Honorare verlangt haben – selbst UN-intern wurde das als „unangemessen“ eingestuft.

Der eigentliche Skandal

Der Berliner Abend zeigt vor allem eines: Eine UN-Vertreterin verbreitet extreme Behauptungen ohne erkennbaren Beleg – in einem politisch aufgeladenen Umfeld, in dem überprüfbare Fakten kaum noch eine Rolle spielen. Ein UN-Posten wird zum Freibrief für Propaganda und antizionistischen Aktivismus.