WM-Torschütze Gregoritsch überrascht mit deutlichen Polit-Ansagen
Der Nationalstürmer spricht über sein Tor, das Österreich zur WM schoss, über US-Präsident Trump und den Iran-Krieg, über „rechtes Gedankengut“ und den türkischen Wolfsgruß. Und darüber, ob er den Einzug ins Finale für möglich hält.
Normalerweise macht es „Wums“, wenn WM-Torschütze Michael Gregoritsch den Ball ins Netz befördert. Diesmal macht es politisch „Wums“: In der neuen Folge des Videopodcasts von Krone.tv mit Kommunikationsexperte Gerald Fleischmann erlebt man einen nachdenklichen, reflektierten Stürmer der Nationalelf, der nach reiflicher Überlegung einige Wortsalven absetzt. Ob es sich um Treffer handelt?
Zunächst blieb der Profi-Kicker, der Österreich mit seinem Tor im November 2025 gegen Bosnien erstmals seit fast 30 Jahren wieder zu einer Weltmeisterschaft schoss, beim Fußball: Wie weit kommt Österreich bei der WM in Nordamerika? Gregoritsch: „Ich glaube, dass die Gegner in der Gruppe und die möglichen Gegner dann im Sechzehntelfinale schwerer sein könnten als mögliche Gegner im Achtel-, Viertel- oder Halbfinale. Und sofern man das übersteht, gibt es keine Grenzen. Dann glaube ich, dass Österreich eine Mannschaft sein kann, die am meisten überraschen wird.“ Zusatzfrage: Kann man vielleicht ins Finale kommen? Gregoritsch: „Selbstverständlich. Es ist natürlich ein Turnier, bei dem in vielen Spielen sehr, sehr viel möglich ist. Ich glaube, wir haben es bei der Europameisterschaft schmerzlich erfahren, dass man als Favorit ausscheidet. Warum sollte es uns nicht gelingen, als Underdog in gewissen Spielen zu gewinnen und zu überraschen?“
WM kann Zeichen für Frieden sein
Der Nationalspieler wird dann gefragt, was er von der Situation hält, dass der Iran in den USA drei Gruppenspiele absolviert, während womöglich noch der Irankrieg läuft, in dem die USA den Iran angreifen. „Man hat ja früher immer gesagt, die Olympischen Spiele seien ein Zeichen für Frieden. Ich glaube auch, dass die Fußball-Weltmeisterschaft das unbedingt sein kann, weil es einfach das größte Sportereignis der Welt ist und weil alle Augen darauf gerichtet sind. Und wenn das in Frieden und in Gemeinschaft ausgetragen werden würde, glaube ich, dass das ein sehr, sehr großes Signal an den Rest der Welt sein könnte.“ Was hält er von US-Präsident Donald Trump? „Ich glaube, dass er Dinge sieht oder mitbekommt oder sich so präsentiert, die mir einfach nicht gefallen. Ich glaube, dass man zum Beispiel bei der WM-Auslosung gesehen hat, dass das sehr inszeniert war. Hauptsache, er schaut gut aus. Und ich glaube, das genaue Gegenteil ist dann passiert“, spielt Gregoritsch auf den Preis der FIFA an, der an Trump verliehen wurde. Der Stürmer: „Ich weiß nicht, ob sich der internationale Fußballverband mit einem Friedenspreis engagieren muss. Ich glaube nicht, dass es die Aufgabe des größten Fußballverbands der Welt ist, einen Friedenspreis zu vergeben. Trotzdem muss man respektieren, dass Donald Trump im Moment der Präsident des Landes ist, das die Weltmeisterschaft austrägt.“
Fleischmann spricht Gregoritschs Aussage an, die er unmittelbar getätigt hat, nachdem Österreich im Achtelfinale gegen die Türkei bei der EM 2024 ausgeschieden war. Der Satz damals lautete: „Ich glaube, dass wir uns ganz weit entfernen sollten vom rechten Gedankengut.“ Hat er das vielleicht gesagt, weil türkische Spieler am Feld den rechtsradikalen Wolfsgruß gezeigt hatten? „Ja, ich glaube, das Thema hat sich ja sowieso schon vor dem Spiel so ein bisschen hochgeschaukelt, weil sich unser Teamchef Ralf Rangnick auch dazu geäußert hat. Und dann ist natürlich so eine Botschaft, die die türkischen Spieler gesendet haben, wie gesagt, mit mir oder meinen Gedanken nicht vereinbar, und deswegen ist das in dem Interview dann auch irgendwie zustande gekommen.“ Grundsätzlich sagt Gregoritsch aber: „Im Fußball gibt es keine Ethnizitäten, keine Religionen, keine verschiedenen Kulturen. In dem Moment, in dem wir das gleiche Dress anhaben oder für das gleiche Dress jubeln oder für die gleiche Mannschaft jubeln, sind wir gleich. Und ich glaube, dass man sich das unbedingt hinter die Ohren schreiben sollte oder überall dort hinschreiben sollte, wo es sichtbar ist: dass wir miteinander sehr viel mehr erreichen können als gegeneinander.“ Der Spieler weiter: „Man darf jegliche politische Gesinnung haben, die man möchte, nur rechtsradikal und rechtsextrem ist für mich etwas, das in meiner Welt nicht funktioniert.“
Was will der Torschütze nach der Karriere als Aktiver machen? „Meine Leidenschaft ist im Fußball am größten. Deswegen würde ich nach meiner Karriere sehr gerne im Fußball bleiben. Ich bin gerade dabei, mich zu erkundigen, wann ich meine erste Trainerlizenz bekommen kann, und ich glaube, dass das auf jeden Fall der Weg sein könnte, der mir Stand jetzt sehr, sehr viel Spaß macht. Wie es dann ist, wenn ich in dieser Position bin, weiß ich auch nicht, aber grundsätzlich ist die Idee, im Fußball präsent zu bleiben, schon da.“
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