ORF vor heikler Wende: Kommt jetzt Werbung im Live-Spiel?
Das Jahr 2026 bringt für den ORF eine außergewöhnliche Häufung kostenintensiver Großereignisse. Mit dem Eurovision Song Contest in Wien und der Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika fallen zwei der bedeutendsten TV-Produktionen zeitlich eng nacheinander zusammen. Nun soll mithilfe von neuen Werbepausen zusätzlich Geld generiert werden – und das während den Live-Übertragungen.
Im Zuge der WM rückt eine Neuerung der FIFA verstärkt in den Fokus: verpflichtende Trinkpausen. Diese sogenannten „Cooling Breaks“, die unter anderem in der ersten und zweiten Spielhälfte (22. und 67. Minute) stattfinden, eröffnen neue Möglichkeiten für Werbeplatzierungen.
Einschränkungen: Sender dürfen frühestens 20 Sekunden nach dem Trinkpausen-Pfiff des Schiedsrichters in die Werbung schalten. 30 Sekunden vor dem Wiederanpfiff muss dann wieder die Fußball-Übertragung laufen. Die zusätzlichen Pausen sollen je drei Minuten pro Halbzeit betragen. Dem ORF stünde somit ein Werbefenster von insgesamt vier Minuten und 20 Sekunden zur Verfügung. Dabei dürfen aber ausschließlich FIFA-Werbepartner ausgestrahlt werden.
300 bis 600 Euro für die Sekunde?
Für den ORF könnten diese Unterbrechungen wirtschaftlich besonders relevant sein. Während klassische Werbeflächen streng reguliert sind, bieten die kurzen Pausen im laufenden Spiel zusätzliche Vermarktungsoptionen. Bezugnehmend auf branchenübliche Schätzungen berichtet oe24 von Einnahmen zwischen 300 bis 600 Euro pro Sekunde.
Zum Vergleich: Laut deutschen Medienberichten vermarkten ARD und ZDF diese Werbepakete bereits – mit einem Kostenpreis, der sich je nach Uhrzeit von 1.200 bis zu 3.650 Euro in der Sekunde erstreckt.
ServusTV bei Werbung flexibler
Gleichzeitig stellt die Integration von Werbung während eines Live-Spiels eine Herausforderung dar. Über viele Jahre hinweg galt die Übertragung von Fußballspielen im ORF und anderen öffentlich-rechtlichen Sendern als weitgehend werbefrei. Eine Veränderung dieses Prinzips könnte von Teilen des Publikums kritisch gesehen werden.
Hinzu kommt der Wettbewerb mit privaten Anbietern. Während das ORF-Gesetz strenge Werbeverbote nach 20 Uhr vorsieht, sind Sender wie ServusTV nicht denselben Einschränkungen unterworfen und könnten die neuen Werbeflächen flexibler nutzen – insbesondere bei Spielen, die aufgrund der Zeitverschiebung in die späten Abendstunden fallen.
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